Die Blutwerte verstehen

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Das Blut kommt mit allen Zellen und Organen des Körpers in Kontakt. Dieser Kontakt hinterlässt Spuren, die durch verschiedene Untersuchungen nachgewiesen werden können. Für die Blutuntersuchung werden in der Regel 50 ml Blut in mehreren Portionen mit einer Kanüle aus oberflächlichen Venen im Bereich der Armbeuge entnommen. Das entnommene Blut wird in Röhrchen abgefüllt, die chemische Zusätze, etwa Zitronensäure, enthalten, damit das Blut nicht sofort gerinnt.

Dieses sogenannte Vollblut wird benötigt, um die Zahl der unterschiedlichen Blutkörperchen und die Blutsenkungsgeschwindigkeit zu bestimmen. Aus anderen Röhrchen, die diese Zusätze nicht enthalten, wird das Blutserum gewonnen, indem man das Blut gerinnen lässt und die Blutkörperchen abtrennt. Das Blutserum ist eine wässrige Flüssigkeit und dient als Ausgangsmaterial für die meisten weiteren Untersuchungen.

Eine genaue Diagnose lässt sich in der Regel nicht durch einen Blutwert allein stellen. Häufig sind Schlussfolgerungen erst aus einer Kombination mehrerer Blutwerte und gegebenenfalls weiterer Untersuchungen möglich. Die hier gegebenen Erklärungen sind daher nur als allgemeine Informationen zu verstehen. Wenn Sie nach einer Blutuntersuchung Fragen haben, scheuen Sie sich nicht, Ihren Arzt oder Apotheker darauf anzusprechen.

Ein bedeutender Wert ist die sogenannte Blutsenkung, genauer: die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG, manchmal auch als BSR oder ESR abgekürzt). Dabei wird beobachtet, wie schnell die roten Blutkörperchen in einem Reagenzglas auf den Boden sinken.

Eine Sinkgeschwindigkeit, die schneller als normal ist, deutet auf eine Entzündungsreaktion (z.B. ein Infekt oder Rheuma) im Körper hin. Die Normwerte werden in Millimeter pro Stunde angegeben und sind vom Alter abhängig: Unter 50 Jahren soll die BSG geringer sein als 20 mm/h (Frauen) bzw. 15 mm/h (Männer), über 50 Jahren liegen die Höchstgrenzen bei 30 mm/h (Frauen) bzw. 20 mm/h (Männer).

Das Blutbild

Hier werden die Anteile der verschiedenen Blutzellen ermittelt. An erster Stelle stehen die Erythrozyten, das sind die roten Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport zuständig sind. Die Zahl der Erythrozyten sollte 4,2 - 5,5 Mio/µl (Frauen) bzw. 4,4 - 6,0 Mio/µl (Männer) betragen. Weiterhin wird der Gehalt an rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin, Hb) ermittelt. Er sollte 12 - 16 g/dl (Frauen) bzw. 14 - 18 g/dl (Männer) betragen.

Der MCV-Wert steht für das Volumen der einzelnen Erythrozyten, Normwert: 78 - 96 fl (femto-liter = Billiardstel Liter). MCH (früher: HbE) besagt, wie viel Hämoglobin ein einzelnes Blutkörperchen enthält, Normwert: 28 - 34 pg (pico-gramm = Billionstel Gramm).

Thrombozyten sind die Blutplättchen, die für die Gerinnung bei Wunden zuständig sind. Ihre Zahl sollte 150.000 - 400.000/µl betragen. Auch ihr Volumen kann gemessen werden: Der MPV-Wert sollte zwischen 7 und 12 fl liegen.

Der Hämatokritwert (Hk) besagt, wie dünn- oder dickflüssig das Blut ist, Normwert: 37 - 47 % (Frauen) bzw. 40 - 54 % (Männer).

Die Leukozyten sind die weißen Blutkörperchen, also die Zellen des Immunsystems. Beim Kleinen Blutbild wird ihre Gesamtzahl bestimmt (Normwert: ca. 4.000 - 10.000 /µl), beim Großen Blutbild (Differenzial-Blutbild) schaut man sich die Zahlen für die einzelnen Arten an:

  • Neutrophile (Norm: 48 - 76 % bzw. 1.900 - 7.600/µl)
  • Eosinophile (Norm: weniger als 5 % bzw. weniger als 500/µl)
  • Basophile (Norm: weniger als 3 % bzw. weniger als 300/µl)
  • Lymphozyten (Norm: 18 - 42 % bzw. 720 - 4.200/µl)
  • Monozyten (Norm: unter 8 % bzw. weniger als 800/µl)

Die Leberwerte

Im Blut lassen sich eine ganze Reihe von Enzymen aus Leber und Nieren nachweisen. Sie sollten jeweils einen bestimmten Wert nicht überschreiten, ansonsten ist dies ein Warnsignal.

  • Gamma-GT (GGT) ist ein Leberenzym, das schon bei leichten Leberproblemen erhöhte Werte aufweist. Nach herkömmlichem Messsystem sollte der Wert 4 - 18 U/l (Frauen) bzw. 6 - 28 U/l (Männer) betragen.
  • Alanin-Aminotransferase (ALT, früher als Glutamat-Pyruvat-Transaminase, GPT bezeichnet) ist ein Leberenzym, das bereits ein Absterben von Leberzellen anzeigt. Normwert: bis 19 U/l (Frauen) bzw. bis 23 U/l (Männer).
  • Aspartat-Aminotransferase (ALT, früher als Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, GOT bezeichnet) ist ein Enzym, das nicht nur bei Leberschäden, sondern z.B. auch bei einem Herzinfarkt erhöhte Werte hat, Normwert: bis 15 U/l (Frauen) bzw. bis 19 U/l (Männer).
  • Alkalische Phosphatase (AP) ist ein Enzym, das z.B. bei Gallenproblemen, Knochenerkrankungen oder Leberschäden erhöht ist, Normwert: 55 - 147 U/l (Frauen vor den Wechseljahren und mit Normalgewicht) bzw. 60 - 170 U/l (Frauen über 50 oder mit Übergewicht) bzw. 70 - 175 U/l (Männer).
  • Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs. Erhöhte Werte können bei Leber- oder Gallenproblemen, aber auch bei Parasitenbefall oder Krebserkrankungen auftreten. Normwert: unter 1,1 mg/dl.

Werte, die auf Stoffwechselprobleme hindeuten

Cholesterin ist sicher der erste Blutwert, der einem bei diesem Thema einfällt. Das Gesamtcholesterin sollte unter 200 mg/dl bzw. 5,2 mmol/l liegen, ansonsten kann sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Ein genaueres Urteil ist nur möglich, wenn man die Werte für das "schlechte" LDL-Cholesterin (Norm: unter 160 mg/dl bzw. 4,1 mmol/l) und für das "gute" HDL-Cholesterin (Norm: 45 - 65 mg/dl für Frauen, 35 - 55 mg/dl für Männer) kennt. Das Verhältnis von LDL zu HDL sollte unter 2 liegen. Mit dem LDL-Cholesterin verwandt, aber noch schädlicher ist das Lipoprotein (a), abgekürzt: LP(a). Sein Wert sollte höchstens 30 mg/dl betragen.

Zu den Blutwerten gehören auch die Triglyceride (TG), auch als Neutralfette bezeichnet. Ihr Wert sollte höchstens 200 mg/dl bzw. 2,3 mmol/l betragen, manche Quellen fordern sogar einen Wert unter 150 mg/dl bzw. 1,7 mmol/l.

Der Blutzuckerwert sollte nüchtern unter 100 mg/dl bzw. 5,5 mmol/l liegen. Höhere Werte deuten auf Diabetes hin.

Ein zweiter Wert, der bei der Erkennung von Diabetes eine Rolle spielt, ist der sogenannte Langzeitblutzucker, wissenschaftlich: HbA1c. Liegt er unter 6 %, ist nicht von Diabetes auszugehen. Diabetiker sollten sich bemühen, einen Wert von unter 6,5 % zu erreichen.

Ein weiteres Stoffwechselproblem ist ein zu hoher Harnsäurewert, der auf eine Veranlagung zu Gicht hindeutet. Der Normbereich wird mit 2,5 - 5,9 mg/dl (Frauen) bzw. 3,7 - 7,1 mg/dl (Männer) angegeben.